Mitteilung des Vereins zum Schutz der Bergwelt zum Auftaktsymposium 2009 „Perspektiven der Höhenlandwirtschaft in den Alpen“
München, den 08.05.2009

Auftaktveranstaltung „Perspektiven der Höhenlandwirtschaft in den Alpen“ am Donnerstag, 7.5.09 im Haus des Alpinismus in München, war ein voller Erfolg. Damit begann der Verein zum Schutz der Bergwelt in Kooperation mit den DAV-Sektionen München und Oberland die Symposienreihe „Bergwelt ohne Tabu?“.

Rund 100 Personen nahmen an der transnationalen Auftaktveranstaltung „Perspektiven der Höhenlandwirtschaft in den Alpen“ des Vereins zum Schutz der Bergwelt in Kooperation mit den DAV-Sektionen München und Oberland im Haus des Alpinismus am 7.5.09 in München teil. Unter den Besuchern waren Vertreter aus Behörden, Wissenschaft, Naturschutz und Almwirtschaft. Damit wurde eine Symposienreihe mit Fachreferenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz begonnen, die eine zunehmende Inwertsetzung der Bergwelt beobachten und kritisieren: Die Almwirtschaft sucht ihr Auskommen im „Sanften“ Tourismus („Wellnessalmen“), Inszenierungen der Alpennatur werden en vogue (diverse Aussichtsplattformen, z.B. „Alpspix“ bei der Alpspitze / Garmisch) und Pumpspeicherkraftwerke in den Hochtälern der Alpen veredeln nicht nur atomare- und fossile Energie zu Spitzenstrom, sondern sollen zukünftig auch für die Kontinuität der unsteten Leistung der Wind- und Sonnenenergie sorgen.

Begonnen wurde die Symposienreihe 2009 mit der Frage nach den „Perspektiven der Höhenlandwirtschaft in den Alpen“ mit der aktuellen und zukünftigen Entwicklung der Bewirtschaftung der Almen, ihrer Bedeutung für Natur und Landschaft und den möglichen Gefährdungen, derzeit und bei einer modifizierten Nutzung.

Rudi Erlacher, 2. Vorsitzender des Vereins zum Schutz der Bergwelt e.V., äußert sich besorgt zu dem Ergebnis des Tages: „Eine der wesentlichen Erkenntnisse ist, dass die Art der Subventionen darüber entscheidet, welche Form der Almwirtschaft eine Chance bekommen wird. Mit der neuen Förderkulisse im Rahmen der Neuorientierung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU nach 2013 und dem Ende der Milchquotenregelung 2015 werden die Karten neu gemischt. Dann wird sich zeigen:

Werden eine authentische und naturverträgliche Almwirtschaft und ihre ökologischen Leistungen gefördert, die sich unter nachhaltiger Inanspruchnahme des Naturhaushaltes auf die Produktion von Milch, Fleisch und Käse konzentriert? Oder kommt eine Almwirtschaft, die sich nur noch als ihr eigenes Zitat touristisch vermarktet? Es bleibt nicht mehr viel Zeit für die Naturschutzverbände. Sie müssen sich jetzt einbringen, um eine nachhaltigere Förderkulisse der Berglandwirtschaft im Alpenraum nach 2013 bzw. 2015 zu sichern.“

Die bisherige, regional unterschiedliche und handlungsorientierte Förderpolitik der Berglandwirtschaft in Verbindung mit neuen „Hochleistungsnutztierrassen“ hat teilweise zu einer Übernutzung mit einhergehendem Biodiversitätsverlust geführt, andernorts die Verbrachung beschleunigt. Hier sind – und das ist wichtig und neu - zukünftig erfolgsorientierte, ökologisch qualifizierte Förderinstrumentarien zu entwickeln.

Um nicht noch die letzten hochgelegenen Almen mit Straßen zu erschließen, ist dringend ein Erschwernisausgleich einzuführen, der tatsächlich eine wirtschaftlich interessante Alternative darstellt. Die Teilnehmer waren sich einig, der Erhalt einer traditionell bewirtschafteten alpinen Kulturlandschaft, die auch für den Tourismus attraktiv bleibt, sollte das Ziel politischer Bestrebungen sein – ohne die Almen „vor Ort“ zu inszenieren und zu vermarkten. Die alpinen Hochlagen müssen weiterhin ihren von modernen Nutzungsinteressen „unverfügten“ Charakter bewahren. Hier ist es wichtig, dass die verschiedensten Akteure aus Almwirtschaft, Naturschutz – einschließlich der Alpenvereine, Tourismus und Denkmalschutz gemeinsam und grenzüberschreitend an gehaltvollen Konzepten und konkreten Vorschlägen arbeiten.

Ansprechpartner:

Rudi Erlacher (Verein zum Schutz der Bergwelt)
Tel. 089 / 48004731, E-Mail: rudolf.erlacher@t-online.de

Für den Vorstand des Vereins zum Schutz der Bergwelt e.V.

Rudi Erlacher
2.Vors.
Dr. Klaus Lintzmeyer
Schriftführer

 
 
Symposiumsreihe „Bergwelt ohne Tabu?“
Auftakt-Symposium 2009: „Perspektiven der Höhenlandwirtschaft in den Alpen“, 7.5. 09 in München

Der Verein zum Schutz der Bergwelt veranstaltete in Zusammenarbeit mit den DAV-Sektionen München und Oberland am 07. Mai 2009 im Haus des Alpinismus in München ein ganztägiges Symposium zum Thema „Höhenlandwirtschaft“. „Perspektiven der Höhenlandwirtschaft in den Alpen“ thematisierte die Strukturprobleme der Alm(Alp)wirtschaft und ging auf Lösungsansätzen der Landwirtschaft und des Tourismus ein.

Das Symposium fand als Auftaktveranstaltung der geplanten mehrjährigen Reihe „Bergwelt ohne Tabu?“ statt. Mit der Fachveranstaltung sollten aktuelle Entwicklungen der Nutzung des Kultur- und Naturraumes Alpen kritisch hinterfragt werden. Einsicht in das Programm und Exposé:
Download Programm mit Anmeldeformular

Download Exposé
 
Wir danken unserer Moderatorin und unseren Referenten für die besonderen Beiträge!
Dr. Ines Gnettner, DAV-Sektion Oberland
Prof. Dr. Michael Suda, 1. Vorsitzender des VzSB
Rudi Erlacher, 2. Vorsitzender des VzSB
Prof. Dr. Ludwig Fischer, Institut für Germanistik II - Neuere deutsche Literatur, Universität Hamburg
Univ. Prof. Mag. Dr. Georg Grabherr, Universität Wien
Dr. Susanne Aigner, Umweltbüro Klagenfurt
Prof. (FH) Stefan Forster, ZHAW Fachstelle Tourismus und Nachhaltige Entwicklung
Dipl.-Biol. Alfred Ringler, Leiter des Planungsbüros: pla projektgruppe landschaft + artenschutz, Rosenheim.