Foto: Arno Mohl / WWF Austria

Der Tagliamento / Friaul / Italien - König der Alpenflüsse.

Blick auf die Tagliamento-Überschwemmungsebene gegen Süden, zwischen den Dörfern Pinzano und Dignano, die gleichzeitig korrespondiert mit dem Natura 2000-Gebiet "Greto del Tagliamento", dem Aushängeschild des Tagliamento. Hier hat der Tagliamento seinen alpinen Einzugsbereich aus den Venezianischen -, Karnischen - und Julischen Alpen bereits verlassen und strömt der Adria entgegen.
Die Aufnahme dokumentiert die bisher unbeeinflusste Flussdynamik des Tagliamento. Besondere Beachtung findet die enorme Gewässerbreite und der hohe Verzweigungsgrad dieses Flusses. Der Tagliamento gilt als die letzte und größte noch existierende natürliche Wildflusslandschaft dieser Art im Alpenraum.
Die Überschwemmungsebene des Tagliamento zeigt die eindrucksvollen Umlagerungsstrecken in ihrer ökologischen Vielfalt:
neben den strukturreichen Kies-, Sand- und Schlickbänken, Rinnenstrukturen, Kolken, Inseln sowie Totholz- und Genisthaufen aus angeschwemmtem Material, eingebettet in die angrenzende Auenlandschaft.
Der Tagliamento mit seinen Auen gilt daher als eines der Vorranggebiete für den Naturschutz im Alpenraum und im Alpenvorland.

Der Erhalt dieses Natura 2000-Gebietes und dieses wichtigsten Referenzgewässers von europäischem Rang ist jedoch durch alte und nicht nachhaltige Hochwasserfreilegungspläne der Region Friaul-Julisch Venetien massivst gefährdet. Die am Tagliamento geplanten Retentionsbecken riesigen Ausmaßes (ca. 30 Mill. m³), um die Abflussspitzen von 4600 m³/sec. auf 4000 m³/sec. zu senken, würden das gesamte Natura 2000-Gebiet und das Referenzgewässer zerstören. Der gesamte Tagliamento-Bereich dieses Bildes wäre davon betroffen. Europäisches Recht in Form der Verpflichtungen gegenüber NATURA 2000 und der EU-Wasserrahmenrichtlinie würde massivst verletzt werden.
Andererseits könnten als Alternative nachhaltige Hochwasserschutzmaßnahmen mit obendrein besserer Wirkung nicht nur die Zerstörung des Tagliamento verhindern, sondern das Natura 2000-Gebiet und das Referenzgewässer Tagliamento uneingeschränkt erhalten und gleichzeitig die Auflagen der EU-Wasserrahmenrichtlinie erfüllen.

zurück